Windhose zog durch Börnichen (31.05.2001)

von der Freien Presse online

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Börnichen/Zschopau 31.05.2001: Windhose hinterlässt Spur der Verwüstung

Verheerender Sturm über Börnichen losgebrochen

- Schaden in Millionenhöhe -

- Imbissverkäuferin in Gewerbegebiet Zschopau-Gornau verletzt -

Eine Windhose ist Mittwoch Nachmittag über das Erzgebirge gefegt. Die Auswirkungen waren verheerend: Im Raum Börnichen, Lengefeld, Borstendorf, Zschopau und Krumhermersdorf deckte der Sturm Dächer ab, entwurzelte Bäume, wirbelte Müllcontainer und Einkaufswagen durch die Luft. Zahlreiche Feuerwehren waren bis in die Nachtstunden im Einsatz, um die gröbsten Schäden zu beseitigen. Gegen 15 Uhr brach über Börnichen der Sturm los. Dachschindeln segelten durch die Luft, Verkaufsbuden fielen in sich zusammen, auch hundertjährige Bäume knickten um,. Der Friedhof bot mit vielen umgestürzten Bäumen ein Bild der Verwüstung. „Vor 49 Jahren bin ich hier geboren, aber so was gab es noch nicht“, erinnerte sich Eberhard Uhlmann. Im Rathaus koordinierte Bürgermeister Matthias Reichel die ersten Aufräumarbeiten in der 1140 Einwohner zählenden Gemeinde. Allein in Börnichen gehe der Schaden in die Millionen. Im Rathaus hatte auch Kreisbrandmeister René Ackermann seinen Kommandopunkt eingerichtet. Mehr als 50 Angehörige der Wehren aus Börnichen, Grünhainichen und Waldkirchen waren vor Ort. Äste und lose Dachschindeln sowie anderes Sperrgut mussten entfernt werden. Dachdecker dichteten die Dächer provisorisch ab. Ein paar Kilometer weiter im Wünschendorfer Ortsteil Stolzenhain bot sich ein ähnliches Bild. Ein Feld diente als Behelfszufahrt, da die Zugangsstraße von „umgeblasenen“ Bäumen blockiert war. Die Dachkonstruktion des Asylbewerberheimes Vogelmühle in Borstendorf wurde erheblich beschädigt, so dass die Hausbewohner evakuiert werden mussten. Auch das daneben liegende Bahnwärterhäuschen wurde teilweise abgedeckt. Im Röthenbacher Wald verzeichnete Bürgermeister Manfred Sieber starken Windbruch. Auf den nahen Gleisen der Linie Pockau-Flöha beseitigt ein Trupp der Deutschen Bahn AG Sturmholz. Die Zschopauer Postfrau Sabine Lötzsch hat die Windhose am Mittwoch Nachmittag in Börnichen wie einen Albtraum erlebt: „Alles ging rasend schnell - wie die Dächer abgehoben wurden und die Ziegelsteine geflogen kamen. Zum Glück saß ich im Auto, sonst hätte mich ein Stein vielleicht noch erschlagen. So erwischte es nur die rechte Beifahrertür.“ Geradezu verheerend waren die Auswirkungen im Gewerbegebiet Zschopau-Gornau, wo nicht nur sieben Bäume umknickten. Eine voll gestellte Einkaufswagenbox wurde durch den Wind angehoben und beschädigte bei ihrem „Flug“ über den Parkplatz vier Fahrzeuge. Frank Hillmann, Leiter des Obi-Bau- und Heimwerkermarktes, schätzt den dabei entstandenen Sachschaden auf 15.000 bis 20.000 Mark. Tragisch verlief der Ausgang der Sturmbören für die Inhaberin des Imbiss-Standes am Obi-Gartencenter, die durch herumfliegende Bretter Verletzungen im Gesicht und starke Prellungen erlitt. Sie musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. „In Zschopau und Krumhermersdorf sind wir noch glimpflich davongekommen. Auf dem Parkplatz an der Reinhold-Timmel-Straße knickten mehrere starke Äste ab“, informierte Oberbürgermeister Klaus Baumann. „Der Wind hat sogar Müllcontainer bis auf den Parkplatz getrieben.“ In Krumhermersdorf, wo durch die Feuerwehr ebenfalls mehrere umgeknickte Bäume beiseite geräumt wurden, zeriss ein umfallender Baum an der Waldkirchener Straße die Stromleitung. Glück hatten die Einwohner von Grünhainichen und Waldkirchen: Die Orte wurden lediglich von starkem Hagelschauer heimgesucht, die einige Bäume in Mitleidenschaft zogen. „Wir werden bei der Schadensregulierung wie beim Hochwasser vor zwei Jahren vorgehen“, kündigte Landrat Albrecht Kohlsdorf nach Sondierung der Lage in Börnichen an. In jedem Fall werde es eine Einzelfallprüfung geben.


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